Es gab viele wissenschaftliche Innovationen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Die meisten dieser Erfindungen wurden genutzt, um das Verständnis der Menschheit von der Welt voranzutreiben. Ein gutes Beispiel ist das Röntgen. Wusstest du, dass Röntgenstrahlen auch als aufwändiges Marketinginstrument zum Verkauf von Schuhen eingesetzt wurden?
Die meisten amerikanischen Schuhgeschäfte hatten Röntgengeräte, damit Kunden die Passform ihrer Füße in den Schuhen sehen konnten. Das war ein Verkaufs‑ und Marketingtrick der Geschäfte. Die Geräte wurden hauptsächlich bei der Anprobe von Kindern verwendet.
Was war das Schuh‑Anpassungs‑Fluoroskop?
Das Schuh‑Anpassungs‑Fluoroskop war ein Gerät, das in den Dreißigern bis Fünfzigern häufig in Schuhgeschäften zu finden war. Die Maschine bestand meist aus einem vertikalen Holzschrank. An einem Ende des Schranks befand sich eine Öffnung, in die die Füße gestellt wurden.
Oben gab es drei Sichtöffnungen. Eine war für die Person gedacht, deren Füße in der Öffnung lagen, meist ein Kind. Die zweite Sichtöffnung war für die Eltern, und die dritte für den Verkäufer. Was zu sehen war, war ein fluoreszierendes Bild der Fußknochen und die Kontur der Schuhe.
Die Maschine verwendete normalerweise eine 50‑kV‑Röntgenröhre, die mit 3 bis 8 Milliampere betrieben wurde. Im Grunde genommen entspricht die Benutzung des Fluoroskops dem Stehen direkt über der Röntgenröhre, wobei nur ein etwa ein Millimeter dickes Aluminiumblech den Benutzer schützt. Einige Modelle hatten eine Regelung der Fluoreszenzintensität, andere verfügten über Drucktaster‑Timer für die Belichtungszeit. (Quelle: ORAU)
Die Geschichte der Maschine
Viele haben im Laufe der Geschichte behauptet, das Schuh‑Anpassungs‑Fluoroskop erfunden zu haben, aber ein gewisser Dr. Jacob J. Lowe hatte den überzeugendsten Anspruch darauf. Laut den Forschern Duffin und Hayter, Autoren des Buches Baring the Sole: The Rise and Fall of the Shoe-fitting Fluoroscope, entwickelte der Bostoner Arzt zunächst sein erstes fluoroskopisches Gerät für Soldaten des Ersten Weltkriegs.
Indem er die Notwendigkeit beseitigte, dass Soldaten ihre Stiefel ausziehen mussten, konnte Lowe den Prozess der Untersuchung verletzter Soldaten beschleunigen. Nach dem Ersten Weltkrieg modifizierte Lowe das Gerät speziell für die Schuhanpassung und stellte es auf dem Bostoner Schuhhändler‑Kongress 1920 vor.
Lowe nannte seine Erfindung Foot-O-Scope und sie wurde zu einer bedeutenden Investition für Schuhhändler mit einem Preis von 900 $. Eine frühe Referenz zur Nutzung des Foot‑O‑Scope wurde in der Pittsburgh Post‑Gazette veröffentlicht, wo er erfolgreich den fehl ausgerichteten großen Zeh eines Löwenbändigers am linken Fuß identifizierte. (Quelle: ORAU)
Sicherheitsbedenken und die eingestellte Praxis
In den späten 1940er Jahren etablierte die American Standards Association einen sicheren Standard und Toleranzdosis, eine Maßnahme, die durch neue Informationen über die Gefahren der Strahlung ausgelöst wurde. Bald folgten viele Bundesstaaten, indem sie Standards einhielten, wie zum Beispiel, dass Kinder nicht mehr als zwölf Mal pro Jahr der Strahlung der Maschine ausgesetzt werden dürfen und dass die Füße nur nicht mehr als 2 R pro 5‑Sekunden‑Exposition erhalten dürfen.
Bis Anfang der 1950er Jahre veröffentlichten mehrere Berufsverbände Warnungen über die fortgesetzte Nutzung von Fluoroskopen und die Empfehlung, dass nur lizenzierte Physiotherapeuten solche Geräte bedienen sollten, später nur noch von lizenzierten Ärzten. Dies signalisierte das Ende der Nutzung der Geräte, wobei die meisten Menschen sie eher als Verkaufstrick denn als nützliches Werkzeug ansahen. (Quelle: ORAU)






