Auf dem Foto läuft der Fluglotse am Flughafen Zürich nicht herum und schreit nicht. Er sitzt in einem Turm, umgeben von Glas, und blickt über ein Feld von Flugzeugbewegungen, das die meisten Passagiere nur als Verspätung, Startlauf oder Stimme aus dem Cockpit wahrnehmen.[1] Die Arbeit kann von außen fast unbewegt wirken. Die Uhr ist der Teil, den man nicht sehen kann.

Fluglotsen sind oft auf etwa zwei Stunden „im Dienst“ begrenzt, bevor sie eine Pause einlegen, weil eine verlängerte Dienstzeit die Leistungsfähigkeit schnell verschlechtern kann, selbst bei leichtem Verkehr.

Im kontrollierten Luftraum koordiniert ein Fluglotse Flugzeuge von einem Turm oder einem Bereichskontrollzentrum aus, überwacht die Bewegungen und hält direkte Kommunikation mit den Piloten.[1] Diese Beschreibung klingt sauber, fast bürokratisch. In der Praxis behält der Lotse eine lebendige Karte im Kopf, die sich ändert, wenn Flugzeuge steigen, sinken, drehen, warten, Sektoren überqueren und sich den Landebahnen nähern.

Der Beruf erfordert eine besondere Art von Gehirn. Zu den aufgeführten Kompetenzen gehören gutes Kurzzeitgedächtnis, Situationsbewusstsein, Detailgenauigkeit, Kommunikation, Multitasking, schnelle und entschlossene Entscheidungsfindung sowie die Fähigkeit, unter Stress oder Druck zu arbeiten.[1] Das sind keine Schmuckstücke im Lebenslauf. Sie sind die Werkzeuge, die es einer Person ermöglichen, mehreren sich bewegenden Flugzeugen zu folgen und dennoch kurze, präzise Anweisungen zu geben.

Das Zwei‑Stunden‑Problem

Der auffällige Teil der Zwei‑Stunden‑Regel ist nicht, dass beschäftigte Fluglotsen müde werden. Jeder kann nachvollziehen, wie ein überfülltes Frequenzband und ein volles Radarbild eine Person erschöpfen können. Die entscheidende Tatsache ist, dass die Leistung nach mehr als zwei Stunden im Dienst selbst bei geringem Verkehrsaufkommen nachlassen kann.[1]

Ein ruhiger Himmel ist nicht dasselbe wie ein ruhiger Geist. Der Lotse muss weiterhin zuhören, scannen, sich erinnern, antizipieren und bereit sein, ohne Verzögerung zu handeln. Minuten können in routinemäßigen Bewegungen vergehen, dann kann eine Freigabe, ein fehlendes Rücklesen oder eine geänderte Flughöhe plötzlich von Bedeutung sein. Der Job verlangt Geduld und Schnelligkeit im selben Stuhl.

Deshalb ist die Pause Teil des Sicherheitssystems und nicht ein Luxus am Arbeitsplatz. Eine Funkfrequenz, eine Landebahn, ein Radarbildschirm, ein Flugzettel und ein ausgeruhter Lotse gehören alle zur selben Kette. Die Ausrüstung kann weiterhin einwandfrei funktionieren, während die Person, die sie benutzt, die Schärfe verliert, von der das System abhängt.

Stress in einem ruhigen Raum

Die Flugverkehrskontrolle ist zudem ungewöhnlich, weil ihr Stress oft hinter ruhigen Stimmen verborgen bleibt. Von den Lotsen wird erwartet, dass sie klar kommunizieren, schnelle Entscheidungen treffen und unter Druck durchsetzungsfähig bleiben.[1] Die Öffentlichkeit hört das Ergebnis als Ordnung: ein freigegebener Abflug, ein gereihter Anflug, ein Flugzeug, dem befohlen wird, die Höhe zu halten. Die dahinterliegende Arbeit ist kontinuierliche Aufmerksamkeit.

Moderne Werkzeuge haben den Raum verändert, aber sie haben das menschliche Zentrum der Arbeit nicht entfernt. Fluglotsen überwachen weiterhin die Flugzeugbewegungen und kommunizieren direkt mit den Piloten.[1] Technologie kann dabei helfen, Informationen zu organisieren. Regeln können begrenzen, wie lange eine Person im Sitz bleibt. Keine von beiden eliminiert die Notwendigkeit, dass ein Mensch das, was im richtigen Moment wichtig ist, bemerkt.

Die zweistündige Pause ist ein kleiner Eingeständnis, das in einen Beruf mit hohen Konsequenzen eingebaut ist. Die Person im Turm sitzt nicht einfach nur da. Sie trägt Positionen, Absichten und mögliche Konflikte, bis ein anderer Fluglotse übernimmt, das Headset abnimmt und der erste sich von der Frequenz entfernt.

Quellen

  1. Fluglotse, Wikipedia