Im Jahr 1982 gab es mehrere Todesfälle in Chicago. Nach weiterer Untersuchung konnten die medizinischen Fachkräfte feststellen, dass die Opfer an einer Cyanidvergiftung gestorben sind. Aber wie ist das passiert?

Der gemeinsame Nenner der Todesfälle war der Konsum von Tylenol. Damals wurden Medikamente einfach in den Behältern ohne Sicherheitssiegel verpackt. Als die Tylenol‑Morde stattfanden, ergriffen die Unternehmen Vorsichtsmaßnahmen und fügten Folienversiegelungen hinzu.

Wie geschahen die Morde?

Im Jahr 1982 manipulierte eine unbekannte Person das in Chicago verkaufte Extra‑Strength Tylenol. Die Kapseln waren mit Cyanid versetzt, was schließlich zum Tod von 7 Personen führte.

Mary Kellerman

Mary war ein 12‑jähriges Mädchen aus Elk Grove. Sie fühlte sich krank mit Halsschmerzen und laufender Nase. Ihre Eltern gaben ihr ein Extra‑Strength Tylenol. Am nächsten Morgen war sie tot. Später stellte man fest, dass das von ihr konsumierte Tylenol mit Kaliumcyanid versetzt war. (Source: PBS)

Adam, Stanley and Theresa Janus

Am selben Tag, an dem Mary verstarb, starb ein 27‑jähriger Postangestellter namens Adam Janus an einem massiven Herzinfarkt. Weitere Untersuchungen führten ebenfalls zu einer Cyanidvergiftung.

Adams Bruder, Stanley, und seine Frau, Theresa, gingen zu Adams Haus, um seine Angehörigen zu trösten. Beide hatten pochende Kopfschmerzen und nahmen das Extra‑Strength Tylenol, das Adam an diesem Tag eingenommen hatte.

Stanley starb am selben Tag und Theresa verstarb zwei Tage später. (Source: PBS)

Mary McFarland, Paula Prince and Mary Weiner

Nach den ersten vier Todesfällen folgten Tage später drei weitere. Mary McFarland, Paula Prince und Mary Weiner hatten alle vor ihrem Tod Extra‑Strength Tylenol eingenommen. (Source: PBS)

Was machte der Hersteller?

Die Tylenol‑Morde beeinträchtigten das Vertrauen zwischen Johnson & Johnson und den amerikanischen Verbrauchern stark. Doch das Unternehmen reagierte schnell und übernahm sofort die Kontrolle über die Situation.

Alan Hilburg, der Kommunikations‑ und Markenberater für J&J, sagte “Wir kamen zu dem Schluss, dass wir niemals danach beurteilt werden würden, was das Problem verursacht hat, sondern immer danach, wie wir darauf reagiert haben.”

Sechs Wochen nach dem ersten Tod änderte das Unternehmen seine Verpackung. Die neue Flasche enthielt allerlei Sicherheitselemente: ein Wattepolster im Inneren, das Folienversiegelung, einen kindersicheren Schraubverschluss mit einem Plastikstreifen. Die Kapseln wurden im nächsten Jahr ebenfalls durch Caplets ersetzt.

Andere Pharmaunternehmen und Konzerne folgten ihrem Beispiel. (Source: NY Times)

Wurde der Tylenol‑Mörder jemals gefunden?

Die Tylenol‑Morde haben Hunderte von Nachahmern in den gesamten USA inspiriert. Laut der Food and Drug Administration gab es etwa 270 Vorfälle im Zusammenhang mit Produktmanipulation.

Die Polizei konnte nie einen Verhaftung im Zusammenhang mit den ursprünglichen Tylenol‑Morden durchführen.

Ein gewisser James Lewis, ein Steuerberater, schrieb einen Brief an den Hersteller von Tylenol, in dem er erklärte, er würde die Morde beenden, wenn sie ihm 1 Million Dollar zahlten. Lewis hatte eine seltsame Vergangenheit; er wurde wegen Mordes angeklagt, nachdem die Polizei von Kansas die Überreste seines ehemaligen Klienten in einer Tüte auf seinem Dachboden gefunden hatte. Die Anklage wurde fallengelassen, als der Richter entschied, dass die Durchsuchung von Lewis’ Haus illegal war.

Lewis konnte die Tylenol‑Morde nie mit sich in Verbindung bringen und bestritt ebenfalls die Morde. Er wurde jedoch wegen Erpressung verurteilt und verbrachte 12 Jahre im Bundesgefängnis.

Bis heute sind wir uns immer noch nicht sicher, wer der ursprüngliche Tylenol‑Mörder ist. Das kontaminierte Tylenol befindet sich noch in Polizeigewahrsam. Man hofft, dass etwas DNA gefunden werden kann, die getestet werden kann, um den Täter endlich zu verurteilen. (Source: Time)