Man stellt sich den Weg zum Mond als stählerne Nerven und perfekte Gelassenheit vor. Dann liest man die Apollo‑10‑Transkripte und erkennt, dass das letzte Generalprobe der NASA für die Mondlandung manchmal wie drei Testpiloten klang, die vergessen hatten, dass die Mikrofone live waren.[1][2]

Apollo 10 startete im Mai 1969, um fast alles zu proben, was Apollo 11 zwei Monate später tun würde. Thomas Stafford, Gene Cernan und John Young flogen in die Mondumlaufbahn, trennten das Mondmodul Snoopy vom Kommandomodul und brachten es auf weniger als 50 000 Fuß über die Mondoberfläche.[2][3] Das war keine Besichtigungstour. Es war die vollständige Systemprüfung vor dem ersten Landeversuch.

Es war laut The Columbian auch eine Mission mit mindestens 230 aufgezeichneten Flüchen in den NASA‑Transkripten.[1] Einige fielen in wirklich gefährlichen Momenten. Als das Mondmodul während eines kritischen Manövers wild zu rollen begann, platzte Cernan heraus mit der Zeile, die zur Apollo‑Legende wurde: „Son of a bitch.“[1][2] HISTORY vermerkt, dass Stafford die Kontrolle wiedererlangte, bevor das Raumfahrzeug in einen vollständigen Leitungsfehler geriet.[2] Andere Ausbrüche waren weniger dramatisch. In einem NASA‑Transkript bemerkt Stafford einen Krater und sagt, er sei „bigger than shit“, was nicht gerade die Sprache einer gepflegten Regierungsübertragung ist.[3]

Das war wichtig, weil Apollo nicht nur ein Ingenieurprojekt war. Es war Live‑Fernsehen, Kalter‑Krieg‑Theater und eine globale Image‑Kampagne für die Vereinigten Staaten. Die Welt hörte zu. Nach Apollo 10 beschwerte sich Dr. Larry Poland vom Miami Bible College bei der NASA und Präsident Richard Nixon darüber, dass die Sprache der Astronauten eher wie etwas von einer Toilettenwand klang als wie eine Mondmission.[1] Studenten der Florida Tech eilten, die Besatzung zu verteidigen, was zeigt, wie schnell die Raumfahrt bereits zu einem Teil Wissenschaft, ein Teil Promikultur geworden war.[1]

Die NASA bekam die Botschaft. Die Apollo‑11‑Besatzung, Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins, klang im Vergleich fast unnatürlich zurückhaltend. The Columbian zählte weniger als 15 Flüche in den Transkripten dieser Mission, und Armstrong hatte überhaupt keinen.[1] Die NASA hatte allen Grund, diese Version zu bevorzugen. Apollo 11 sollte die Mondlandung werden, die für immer wiederholt wird.

Deshalb ist Apollo 10 ein so aufschlussreicher kleiner Riss im Mythos. Große Durchbrüche kommen nicht als polierte Legende. Zuerst kommt die Generalprobe, das Beinahe‑Missgeschick, das offene Mikrofon und die sehr menschliche Reaktion. Dann, wenn die Kameras definitiv laufen, folgt die für die Geschichte gesäuberte Version.[1][2]


Quellen

  1. Schlechte Wörter veranlassten einige, das Apollo-Programm aufzugeben, The Columbian
  2. Als Apollo 10 fast in den Mond stürzte, HISTORY
  3. Missionsprotokolle: Mercury, Gemini und Apollo, NASA