Im Herbst 1958 schlug Else-Marie Larsson ihrem Mann auf die Brust, um ihn zurückzuholen. Arne Larsson war 43 Jahre alt, ein ehemaliger Eishockeyspieler, und sein Herz blieb so häufig stehen, dass er bis zu 30 Mal am Tag das Bewusstsein verlieren konnte.[1]

Arne Larsson wurde 1958 der erste Mensch weltweit, dem ein vollständig implantierbarer Herzschrittmacher eingesetzt wurde. Das erste Gerät versagte innerhalb weniger Stunden, doch insgesamt erhielt er schließlich 26 Herzschrittmacher, lebte weitere 43 Jahre und starb mit 86 Jahren an Krebs.

Else-Marie hatte gelesen, dass der Chirurg Åke Senning und der Ingenieur Rune Elmqvist am Karolinska-Krankenhaus in Stockholm an einem Herzschrittmacher arbeiteten, der vollständig im Körper platziert werden konnte.[1] Senning und Elmqvist rangen noch mit grundlegenden Fragen, etwa wie stark der elektrische Strom sein sollte und wie viele Impulse pro Minute ein versagendes Herz anregen könnten.[1]

Sie ließ nicht locker und nahm immer wieder Kontakt zu ihnen auf. Ihre Hartnäckigkeit half, den verzweifelten Fall voranzutreiben, und am 8. Oktober 1958 wurde Larsson in einer geheimen Notoperation der erste vollständig implantierbare Herzschrittmacher eingesetzt.[1] Das Gerät wurde unter großem Druck improvisiert. Elmqvist goss die Bauteile in einem einfachen Plastikbecher mit Kunstharz ein.[1]

Eine Maschine in der Ära der Prototypen

Der Herzschrittmacher funktionierte nur wenige Stunden lang.[1] Am nächsten Morgen implantierten die Ärzte ein Ersatzgerät, und diese zweite Einheit arbeitete sechs Wochen lang — lange genug, um zu zeigen, dass das kleine elektrische Objekt in Larssons Körper leisten konnte, was sein Herz allein nicht mehr zuverlässig schaffte.[1]

Bei der Operation von 1958 am Karolinska-Institut in Schweden wurde ein von Elmqvist entworfenes und von Senning implantiertes Gerät verwendet; die Elektroden wurden per Thorakotomie am Herzmuskel befestigt.[2] Manche historische Zusammenfassungen nennen für das erste Ersatzgerät leicht unterschiedliche Laufzeiten, doch in einem Punkt sind sie sich einig: Der erste Patient mit einem implantierten Herzschrittmacher begann mit einem Gerät, das nahezu sofort versagte.[1][2]

Nur wenige Jahre zuvor hatte kardiale Stimulation noch deutlich weniger nach unsichtbarer Medizin ausgesehen. Der erste Herzschrittmacher, 1952 erfunden, war etwa so groß wie ein kleiner Fernseher und musste wie ein Einkaufswagen herumgeschoben werden.[1] Bis 1957 konnten kleinere Versionen wie ein Anhänger um den Hals getragen werden.[1] Larssons Operation verlegte die Maschine unter die Haut.

Sechsundzwanzig Herzschrittmacher, dreiundvierzig weitere Jahre

Larsson erhielt nicht einfach einen Herzschrittmacher und verschwand dann in einer Fußnote der Medizingeschichte. Im Laufe seines weiteren Lebens bekam er insgesamt 26 Herzschrittmacher.[3] Ein anderer Bericht beschreibt diese Jahrzehnte als eine Kette aus Austauschoperationen und technischen Verbesserungen — von klobigen wiederaufladbaren Modellen hin zu kleineren, zuverlässigeren Versionen mit Lithiumbatterien.[4]

Jeder Austausch machte den berühmten „ersten Patienten“ zu einem fortlaufenden Testfall für eine sich wandelnde Technologie. Larsson musste immer wieder in den Operationssaal zurückkehren und anschließend der nächsten Maschine vertrauen. Nach der ersten Operation lebte er noch 43 Jahre.[3]

Am 28. Dezember 2001 starb Larsson im Alter von 86 Jahren in seinem Zuhause im Stockholmer Vorort Saltsjoe-Duvnaes.[5] Die Todesursache war Hautkrebs, nicht jene Herzerkrankung, die ihn einst zu einem verzweifelten Kandidaten für ein experimentelles Implantat gemacht hatte.[3][5] Else-Marie sagte später, er habe gewusst, dass er ohne den Herzschrittmacher mit 43 gestorben wäre.[5]

Elmqvist soll den Herzschrittmacher anfangs als „mehr oder weniger eine technische Kuriosität“ betrachtet haben.[1] Larsson überlebte Elmqvist, der 1996 starb, und Senning, der 2000 starb.[4] Der Mann, dessen Herz einst die Faust seiner Frau brauchte, um wieder anzuspringen, lebte lange genug, um 26 Versionen der Zukunft in seiner Brust zu tragen.

Quellen

  1. Siemens Healthineers MedMuseum, “A Lifesaver in a Plastic Cup”
  2. Wikipedia, “Pacemaker”
  3. Wikipedia, “Arne Larsson (patient)”
  4. Grokipedia, “Arne Larsson (patient)”
  5. Los Angeles Times, “Arne Larsson, 86; Had First Pacemaker”