Das letzte Flugzeug der Saison hebt vom Südpol ab, und die Menschen, die in der Amundsen-Scott-Südpolstation zurückbleiben, wissen, was nun kommt. Draußen liegt die Station auf dem Antarktischen Plateau, rund 2.835 Meter über dem Meeresspiegel. Drinnen beginnt der Winter mit einem dreiteiligen Filmabend über isolierte Polarteams, die etwas Schreckliches im Eis entdecken.[1]
Nachdem der letzte Winterflug die Amundsen-Scott-Südpolstation verlassen hat, schauen die Menschen, die während der dunklen Jahreszeit dort bleiben, traditionell The Thing from Another World (1951), The Thing (1982) und The Thing (2011) direkt hintereinander.[1]
Amundsen-Scott liegt bei 90 Grad Süd, am geografischen Südpol, wo die Vereinigten Staaten über das Antarktisprogramm der National Science Foundation eine wissenschaftliche Forschungsstation betreiben.[1] Benannt ist die Station nach Roald Amundsen und Robert Falcon Scott, den Expeditionsleitern, deren rivalisierende Reisen den Pol zu einem der symbolträchtigsten Orte der Erde machten.[1]
Der erste Film dieses Rituals, The Thing from Another World, kam 1951 in die Kinos. Seine Geschichte beginnt weit entfernt von der Antarktis, an einem abgelegenen Außenposten in der Arktis, wo eine Air-Force-Besatzung und Wissenschaftler eine abgestürzte fliegende Untertasse sowie einen eingefrorenen humanoiden Körper aus dem Eis bergen.[3] Sie bringen den Körper in einem Eisblock zurück. Er taut auf. Das Wesen lebt noch.[3]
James Arness spielt den Außerirdischen, einen pflanzenartigen Humanoiden und nicht den Gestaltwandler aus John W. Campbell Jr.s Novelle Who Goes There? von 1938.[3] Die berühmte Schlusswarnung des Films, „Keep watching the skies“, macht den leeren Himmel über den Figuren zu einem Teil der Bedrohung.[4] Für eine Winterbesatzung am Südpol stimmt die Geografie zwar nicht, doch der Raum ist vertraut: Menschen in einer Forschungsstation, draußen Kälte, kaum Hilfe, und ein gefährliches Objekt, das ins Innere getragen wird.
Die Antarktis-Version
John Carpenters The Thing von 1982 verlegte den Albtraum in die Antarktis und rückte näher an Campbells ursprüngliche Idee heran.[5] Ein Forschungsteam trifft auf eine außerirdische Lebensform, die andere Organismen imitieren kann. Die Gefahr steht also nicht mehr nur vor der Tür. Sie sitzt womöglich schon am Tisch gegenüber.[5]
Kurt Russell spielt die Hauptrolle in dem Film von 1982, Ennio Morricone schrieb die Musik, und Rob Bottins praktische Kreatureneffekte prägten den späteren Ruf des Films als Meilenstein des Horrorkinos.[2][5] Seine Spannung entsteht ebenso sehr aus der Beschaffenheit des Ortes wie aus dem Monster. Eine abgelegene antarktische Station lässt jedem Verdacht weniger Raum, sich zu verflüchtigen. Niemand kann einfach hinausgehen, sich abkühlen und nach Hause fahren.
Genau deshalb hat die Südpol-Tradition eine schärfere Kante als ein gewöhnlicher Horror-Marathon. Die Wintercrew schaut sich keine beliebige Monsterreihe an. Sie sieht Menschen, die von Wetter, Entfernung und Misstrauen eingeschlossen sind — genau in dem Moment, in dem ihr eigener Weg hinaus gerade am Himmel verschwunden ist.[1]
Der dritte Film, The Thing von 2011, ist ein Prequel zu Carpenters Version. Er folgt einem internationalen Team an einem isolierten antarktischen Außenposten, nachdem es etwas Eingefrorenes entdeckt und lernen muss, dass dieser Fund keineswegs sicher tot ist.[4] Zu diesem Zeitpunkt hat sich das Muster schon dreimal wiederholt: eine Polarstation, ein Körper im Eis und die gefährliche Annahme, dass eingefroren auch erledigt bedeutet.
Amundsen-Scott hat im Lauf seiner Geschichte mehrfach die Form gewechselt, von der ursprünglichen Station über die Ära der geodätischen Kuppel bis hin zur heute genutzten aufgeständerten Station.[1] Das Ritual überlebt, weil seine Grundidee dort keiner Erklärung bedarf. Irgendwo jenseits der Station ist das letzte Flugzeug verschwunden. Drinnen brennt Licht, die Wintercrew hat sich versammelt, und auf dem Bildschirm trägt eine weitere Gruppe von Forschern Eis durch die Tür.

