Der höchste jemals zuverlässig nachgewiesene Vogel war weder ein Adler noch ein Albatros. Es war der Rüppellgeier, ein afrikanischer Aasfresser, der in 37.000 Fuß Höhe bestätigt wurde, ungefähr auf der Reiseflughöhe eines Verkehrsflugzeugs.[1]
Das klingt absurd, bis man sich ansieht, wofür dieser Vogel gebaut ist. Rüppellgeier sind riesig, mit Flügelspannweiten von mehr als acht Fuß, und sie verbringen ihr Leben damit, über gewaltige Bereiche der Sahelzone und Ostafrikas zu segeln, während sie nach Aas suchen.[1][2] Sie erzwingen den Aufstieg nicht mit roher Kraft. Sie sind Spezialisten darin, aufsteigende Luft energiesparend zu nutzen und sehr lange in der Luft zu bleiben.[2][3]
Der eigentliche Trick ist physiologisch. Vögel, die in extremer Höhe fliegen, müssen sich in Luft weiter anstrengen, die dünn genug ist, um die meisten Tiere in Sauerstoffnot zu bringen. Forschung zu hoch fliegenden Vögeln weist auf ein nützliches Bündel von Eigenschaften hin: effiziente Lungen, starke Sauerstoffversorgung, wirksame Atemmuster und große Flügel, die das Fliegen weniger kostspielig machen.[3] Bei Rüppellgeiern fanden Wissenschaftler insbesondere Hämoglobin mit besonders hoher Sauerstoffaffinität, genau die Art Blutchemie, die hilft, Sauerstoff aufzunehmen, wenn kaum welcher verfügbar ist.[4]
Genau das macht den Rekord so gut. Ein Geier sieht nicht aus wie eine aerodynamische Berühmtheit. Er wirkt schwer, kahl und leicht anrüchig. Aber er ist nicht für Glamour gemacht. Er ist dafür gebaut, weite Landschaften zu durchstreifen, einen Kadaver vor seinen Rivalen zu entdecken und all das mit möglichst geringem Energieverbrauch zu schaffen.[1][2][3]
Die Zahl von 37.000 Fuß blieb hängen, weil es sich nicht um Folklore über einen fernen Punkt am Himmel handelte. Sie wurde als bestätigter Beleg für einen Flug in 11.300 Metern Höhe behandelt, in Luft, in der die Durchschnittstemperatur bei etwa minus 56 Grad Celsius liegt.[1] Damit befindet sich der Vogel in einer Umgebung, die eher an Bergsteigen oder Luftfahrt erinnert als an gewöhnliche Tierbeobachtung.
Und doch ist dieser erstaunliche Flieger in Schwierigkeiten. Der Rüppellgeier gilt als vom Aussterben bedroht, gefährdet durch Vergiftung, Lebensraumverlust und andere menschliche Belastungen.[1] Das ist aus praktischen ebenso wie aus moralischen Gründen wichtig. Geier sind Aufräumtrupps. Sie beseitigen Kadaver schnell, was Krankheiten begrenzen hilft und verhindert, dass Ökosysteme von Verwesung überfüllt werden.[2]
Wenn du dir also einen Geier vorstellst, stell dir nicht nur etwas vor, das den Tod umkreist. Stell dir einen der extremsten Flieger der Erde vor, unterwegs in Luft auf Jet-Niveau, während er eine der schmutzigsten Aufgaben der Natur mit außergewöhnlicher Eleganz erledigt.[1][3][4]
Quellen
- Artenprofil des Rüppellgeiers, Wikipedia
- Gyps rueppellii (Rüppellgeier), Animal Diversity Web
- Elevated performance: the unique physiology of birds that fly at high altitudes, Journal of Experimental Biology via PubMed
- High altitude and hemoglobin function in the vultures Gyps rueppellii and Aegypius monachus, PubMed


