Drückt man einen Korken in einen Flaschenhals, vollführt das Material einen kleinen Trick. Die angeschnittenen Zellen werden zusammengedrückt, greifen und haften — und sorgen so für den vertrauten dichten Verschluss. Unter dem Mikroskop ist dieser kleine Stopfen kein Holz im üblichen Sinn. Er ist Rinde: voller Luft, durch eine wachsartige Substanz wasserabweisend gemacht und von einer lebenden Eiche gewonnen, die ihre schützende Hülle wieder nachbilden kann.[1]
Korkböden und Weinkorken werden aus der Rinde der Korkeiche, Quercus suber, hergestellt. Bei der Ernte entfernen Arbeiter die äußere Korkschicht, ohne den Baum zu fällen. Die Rinde wächst mit der Zeit wieder nach, wodurch Kork bei verantwortungsvoller Bewirtschaftung ein erneuerbares Material ist.
Im Eden Project wächst eine Korkeiche im Mediterranean Biome nahe dem Citrus Grove — ein passender Standort für einen Baum, der an heiße, trockene Sommer und kühlere, feuchtere Winter angepasst ist.[1] In freier Natur kommt die Korkeiche in Südwesteuropa vor, unter anderem in Portugal, Spanien, Frankreich, Korsika, Italien, Sardinien und Sizilien, sowie in Nordafrika, darunter Algerien, Marokko und Tunesien.[1]
Der Baum kann etwa 26 Meter hoch werden. Seine Rinde ist tief rissig und korkig, manchmal bis zu 15 Zentimeter dick; die kleinen Blätter sind schwach gelappt und laufen an der Spitze leicht zu.[1] Jeder Baum trägt sowohl männliche als auch weibliche Blüten, und seine Eicheln erscheinen einzeln oder paarweise, gehalten in tiefen, schuppigen Bechern.[1]
Die Rinde, die zurückkommt
Die meisten Bäume bilden etwas Kork. Die Korkeiche bildet so viel davon, dass Menschen ganze Industrien um diese Schicht herum aufgebaut haben.[1] Kork ist die Phellem-Schicht des Rindengewebes und wird kommerziell vor allem von Quercus suber gewonnen, der in Südwesteuropa und Nordwestafrika heimischen Korkeiche.[2] Bei der Ernte wird der Baum nicht gefällt. Die Rinde wird abgelöst und darf anschließend nachwachsen.[4]
Eine Korkeiche ist eine langsame Erntepflanze. Ein Leitfaden zur Korkproduktion hält fest, dass die erste Ernte gewöhnlich erst nach etwa 20 bis 25 Jahren erfolgt; spätere Ernten liegen meist etwa 9 bis 12 Jahre auseinander.[4] Ältere Versionen dieser Tatsache sprechen oft von einem Sieben-Jahres-Zyklus, doch die angegebenen Quellen stützen eher ein längeres Intervall. Der Kern bleibt trotzdem derselbe: Das wertvolle Material ist eine erneuerbare Rindenschicht, kein für Bauholz gefällter Stamm.
Seine besondere Beschaffenheit verdankt Kork seiner Zellstruktur. Das Eden Project beschreibt Kork als abgestorbene Zellen, die durch Suberin, ein wachsartiges Material, wasserabweisend sind.[1] Ein Kubikzentimeter Kork enthält etwa 40 Millionen Luftzellen. Das erklärt, warum er leicht, warm anzufassen, haltbar, elastisch und chemisch inert ist.[1] Diese angeschnittenen Zellen tragen auch zu dem Saugnapf-Effekt bei, durch den ein Korken im Flaschenhals haften bleibt.[1]
Warum ausgerechnet diese Rinde so nützlich wurde
Die luftgefüllten Zellen machten Kork weit über den Wein hinaus wertvoll. Kork ist schwimmfähig, elastisch, undurchlässig und schwer entflammbar — deshalb wurde er für Flaschenverschlüsse und viele andere Produkte verwendet.[2] Heute findet man ihn unter anderem in Fußböden, Dämmstoffen, Wandfliesen, Pinnwänden und weiteren Waren, die seine Leichtigkeit, Flexibilität, Wasserbeständigkeit und schallabsorbierende Struktur nutzen.[4]
Portugal liegt im Zentrum dieses Handels. Die Montado-Landschaft Portugals liefert ungefähr die Hälfte des weltweit jährlich geernteten Korks.[2] In diesen Eichenlandschaften ist der wertvolle Teil des Baumes eine schützende Haut, die in Zyklen entfernt werden kann, während der lebende Baum stehen bleibt.
Kork hat auch einen kleinen Platz in der Wissenschaftsgeschichte. Robert Hooke untersuchte Kork unter dem Mikroskop, und diese Beobachtung trug dazu bei, dass er die „Zelle“ entdeckte und benannte.[2] Heute gehört das Wort in Biologieklassen auf der ganzen Welt, doch seinen Anfang nahm es mit den kastenartigen Hohlräumen in einem Stück Rinde.
Wenn also das nächste Mal ein Korken aus einer Flasche gezogen wird oder ein Korkboden unter den Füßen leicht nachgibt, trägt dieses Objekt eine ungewöhnliche Biografie in sich: dicke Außenhaut einer immergrünen Eiche, gefüllt mit Millionen winziger Luftkammern, abgeschält, ohne den Baum zu fällen — und anschließend langsam vom Baum selbst ersetzt.






