Den Goldfund brachte zuerst der Pflug eines Bauern ans Licht. Im Jahr 1785 kam auf einem Feld nahe Silchester in Hampshire ein großer römischer Ring aus der Erde: 12 Gramm Gold, so breit, dass er möglicherweise am Daumen oder über einem Handschuh getragen wurde.[2] Um den Reif lief ein Name und ein Segensspruch mit einem Fehler darin: „SENICIANE VIVAS IIN DE“, meist verstanden als missglücktes „Senicianus, lebe in Gott“.[1]

Der Ring des Silvianus ist ein römischer Goldring aus dem 4. Jahrhundert, der in Hampshire gefunden und später mit einer bleiernen Fluchtafel aus dem Tempel des Nodens in Lydney in Verbindung gebracht wurde. Auf der Tafel heißt es, Silvianus habe einen Ring verloren und den Gott gebeten, Senicianus die Gesundheit zu verweigern, bis der Ring zurückgegeben werde.

Die Bleitafel stammte von einem ganz anderen Ort. Sie wurde im Lydney Park in Gloucestershire gefunden, rund 100 Meilen von Silchester entfernt, an der Stätte eines römischen Tempels, der Nodens geweiht war, einem keltischen Gott, der in die römische Religionswelt übernommen wurde.[2] Der Ring blieb nach seiner Entdeckung im 18. Jahrhundert im Besitz der Familie Chute auf The Vyne, einem Landsitz in Hampshire.[1] Landschaft, Eigentum und Zeit trennten die beiden Objekte, und doch schienen sie von derselben verlorenen Sache zu sprechen.

Auf der Tafel ist die Klage ungewöhnlich direkt. In Übersetzung sagt Silvianus, er habe seinen Ring verloren, überlasse Nodens die Hälfte seines Wertes und bitte darum, dass unter denjenigen, die Senicianus heißen, niemand Gesundheit genießen dürfe, bis der Ring zum Tempel des Nodens zurückgebracht werde.[3] Der Fluch nennt den Besitzer, den mutmaßlichen Täter, den Gott, den Gegenstand und die Strafe. Er liest sich weniger wie Folklore als wie ein beim Himmel eingereichter Antrag.

Dünne Bleibleche wie dieses gehörten im römischen Britannien zum alltäglichen Instrumentarium der Beschwerde. Menschen hinterließen an heiligen Stätten Fluchtafeln, wenn ein Diebstahl oder Streit mit menschlichen Mitteln nicht mehr zu beheben schien.[4] Wer etwas verloren hatte, konnte einen Namen in Blei ritzen, das Metall zusammenfalten und die Angelegenheit einem Gott übergeben. Der Verlust musste kein staatserschütterndes Ausmaß haben. Ein Ring genügte.

Ein Ring mit dem falschen Namen

Der Goldring bringt seine eigene Komplikation mit sich. Seine quadratische Platte ist mit einer Figur graviert, die meist als Venus beschrieben wird, mit „VE“ auf der einen und „NVS“ auf der anderen Seite in Spiegelschrift, sodass Bild und Buchstaben beim Eindrücken in Wachs als Siegel richtig erschienen.[1] Der Reif jedoch richtet sich an Senicianus, nicht an Silvianus. Wenn Tafel und Ring zur selben Geschichte gehören, liegt eine mögliche Abfolge nahe: Silvianus besaß ihn, Senicianus kam an ihn, und später wurde Senicianus’ Name in das Gold geschnitten.

Allein anhand der Namen lässt sich diese Abfolge nicht beweisen. Manche Autoren mahnen zur Vorsicht: Die Verbindung solle nicht nur deshalb angenommen werden, weil Senicianus auf beiden Objekten erscheint.[1] Im antiken Britannien gab es mehr als eine Person, mehr als einen Ring und mehr als einen Zufall. Dennoch war die Übereinstimmung überzeugend genug, dass das Objekt unter mehreren Namen bekannt ist: Ring des Silvianus, Ring des Senicianus und Vyne Ring.[1]

1929 grub Sir Mortimer Wheeler im Lydney Park und sichtete frühere Funde von der Tempelstätte. Die Fluchtafel erregte seine Aufmerksamkeit, und Wheeler wandte sich wegen des Namens Nodens an J. R. R. Tolkien, damals Sprachwissenschaftler in Oxford.[1] Diese Konsultation hat den Ring weit über die römische Archäologie hinaus berühmt gemacht. Ein goldener Ring, ein Fluch, ein namentlich genannter Besitzer und ein langer Schatten über dem Besitz: All das klingt verführerisch nah an Tolkiens späterer Dichtung, auch wenn ungewiss bleibt, ob er den Ring selbst je gesehen hat.[2]

Der National Trust zeigte den Ring 2013 auf The Vyne, wurde später jedoch vorsichtiger, was die Tolkien-Verbindung betrifft.[1] Diese Vorsicht ist sinnvoll. Der Ring muss nicht der Keim Mittelerdes sein, um zu fesseln. Er trägt bereits zwei Inschriften, die in entgegengesetzte Richtungen ziehen: Gold, das Senicianus segnet, und Blei, das Nodens bittet, ihn leiden zu lassen.

Die sichersten Fakten bleiben klein und hartnäckig. Ein Goldring aus dem 4. Jahrhundert wurde in Hampshire gefunden. Eine bleierne Fluchtafel aus Gloucestershire nannte Silvianus, Senicianus, Nodens und einen verlorenen Ring. Dazwischen liegen ein Diebstahl, eine Anschuldigung oder ein Zufall. Der Fluch scheint den Ring nicht nach Lydney zurückgebracht zu haben.[2] Stattdessen überdauerte er auf The Vyne: ein schwerer Kreis aus römischem Gold, der noch immer Senicianus auf seinem Reif trägt.

Quellen

  1. Ring of Silvianus, Wikipedia
  2. One Precious Ring: The Vyne’s cursed treasure, The Arts Society
  3. The Ring of Silvianus, Trill Mag
  4. The Cursed Ring of Silvianus, TVI