Ein Witz in einem Simpsons-Drehbuch brachte gewissermaßen sein eigenes kleines Warnlämpchen mit. Buzz Aldrin sollte sagen: „Zweiter kommt nach Erster“ — eine Zeile, die nur deshalb komisch war, weil jeder wusste, auf welche empfindliche Stelle sie drückte. Das Team befürchtete, es könne zu viel verlangt sein, den zweiten Menschen auf dem Mond diesen Satz laut aussprechen zu lassen.

Als Buzz Aldrin in der Simpsons-Folge „Deep Space Homer“ einen Gastauftritt hatte, boten die Autoren ihm eine sanftere Alternative zu „Zweiter kommt nach Erster“ an, nämlich „Erster, der eine Bodenprobe nahm“. Aldrin bevorzugte den ursprünglichen Witz, und die schärfere Zeile blieb in der Folge.

„Deep Space Homer“ wurde am 24. Februar 1994 auf Fox ausgestrahlt, als fünfzehnte Folge der fünften Staffel der Serie.[1] Die Handlung schickt Homer Simpson in die Umlaufbahn, nachdem die NASA versucht, das öffentliche Interesse an Raumstarts wiederzubeleben, indem sie einen ganz normalen Menschen in ein Shuttle setzt.[1] Dieser ganz normale Mensch ist natürlich Homer, was bedeutet, dass die Raumfahrt weniger zu einer triumphalen Maschinerie wird als zu einem Ort für Kartoffelchips, Panik und vermeidbaren Ärger.

David Mirkin schrieb die Folge, Carlos Baeza führte Regie, und auf der Gästeliste standen Aldrin und James Taylor, beide als sie selbst.[1] Das ist bereits eine sehr Simpsons-typische Zusammenstellung: ein Apollo-11-Astronaut und ein Softrock-Sänger teilen sich eine Zeichentrickversion der NASA mit einem Sicherheitsinspektor aus einem Atomkraftwerk. Die Folge parodiert außerdem Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum und verwebt eine große Referenz des Weltraumkinos mit einer Geschichte darüber, wie Homer die wohl ernsteste Arbeitsaufgabe, die man sich vorstellen kann, gründlich falsch anpackt.[1]

Die Zeile funktionierte, weil Aldrin sie funktionieren ließ

Aldrins Platz im öffentlichen Gedächtnis hatte schon immer eine seltsame Form. Auf dem Mond zu laufen, lässt sich kaum kleinreden, doch die Geschichte von Apollo 11 wird oft auf eine Reihenfolge verkürzt. Neil Armstrong war der Erste. Aldrin folgte. Ein Unterschied von Minuten wurde zu einem dauerhaften Etikett — eines, das eine Leistung in eine Rangliste verwandeln kann.

Genau deshalb zögerten die Autoren. „Zweiter kommt nach Erster“ ist ein kleiner, unverblümter Satz, und Unverblümtheit hängt davon ab, wer sie abbekommt. Die Ersatzzeile „Erster, der eine Bodenprobe nahm“ gab Aldrin einen aufgeräumteren Sieg. Sie griff immer noch die Mondgeschichte auf, wich aber dem offensichtlichen Witz darüber aus, nach Armstrong gekommen zu sein.

Aldrin entschied sich für die schärfere Version. Bei einem Promi-Cameo zählt das mehr als die genaue Formulierung selbst. Eine sicherere Zeile hätte den Gast vor dem Wissen des Publikums geschützt. Die Zeile, die blieb, vertraute darauf, dass das Publikum die Geschichte kannte — und ließ Aldrin zeigen, dass er mitten im Witz stehen konnte, ohne vor ihm zurückzuweichen.

Aus einem anderen Grund entwickelte die Folge später ein noch größeres Nachleben. In einer Szene sieht Kent Brockman eine Ameise nahe der Kamera schweben und hält sie fälschlich für einen Beweis für riesige Weltraumameisen. Seine Erklärung „Und ich heiße unsere neuen Insektenherrscher willkommen“ wurde später zu einem Internet-Meme.[1] Für viele Zuschauer wurde diese Zeile zum langlebigen Überbleibsel von „Deep Space Homer“, zu dem Satz, der der Folge entkam und jahrelang durchs Netz wanderte.

Aldrins Moment ist leiser. Dafür braucht es keine Meme-Maschinerie. Die Autoren boten ihm eine heldenhafte Notausgangszeile an, eine, die den Astronauten bei irgendetwas zum Ersten gemacht hätte. Er gab sie zurück — und ließ den Cartoon die Zeile über den zweiten Platz behalten.

Quellen

  1. "Deep Space Homer," Wikipedia