Um sechs Uhr ist die Frau in „Manic Monday“ noch halb in einem Traum gefangen: Sie küsst Valentino an einem kristallblauen italienischen Bach, bis der Arbeitstag sie zu einem frühen Zug und einem Chef zieht, der schon längst da ist.[1]
„Manic Monday“ wurde von Prince unter dem Namen „Christopher“ geschrieben und wurde zum Durchbruchshit der Bangles; 1986 erreichte der Song in den USA Platz zwei. Die Geschichte, dass er ihn Susanna Hoffs aus romantischem Interesse überließ, wird durch die vorliegenden Quellen nicht bestätigt. Der Chart-Zufall aber stimmt: Prince’ eigenes „Kiss“ verhinderte Platz eins.
Prince schrieb „Manic Monday“, bevor die Bangles den Song berühmt machten. Ursprünglich war er 1984 für Apollonia 6 gedacht, später nahmen ihn die Bangles für ihr zweites Album Different Light auf.[2] Als die Version der Bangles als erste Single des Albums erschien, stand in den Credits nicht Prince. Dort stand „Christopher“, das Pseudonym, das er für den Track verwendete.[2]
Die Aufnahme der Bangles klang nicht einfach wie eine Prince-Platte, auf die andere Stimmen geklebt worden waren. Sie hatte helle Harmonien, ein klares Pop-Rock-Arrangement und die ganz gewöhnliche Panik eines Werktagmorgens. Der Text bewegt sich durch kleine häusliche Niederlagen: ein ungemachtes Bett, Kleidung, deren Auswahl zu lange dauert, ein Zug, der den Zeitplan nicht mehr retten kann, und trotzdem wartet die Arbeit.[1]
Das Geschenk, das zum Durchbruch wurde
Eine mit dem Song verbundene Erzählung besagt, Prince sei Fan der Bangles geworden, nachdem er „Hero Takes a Fall“ gehört hatte, und habe der Gruppe daraufhin zwei Songs angeboten: „Jealous Girl“ und „Manic Monday“. Die Band entschied sich für „Manic Monday“.[1] In den vorliegenden Quellen ist das die belegte Form dieses Geschenks: Prince bewunderte die Gruppe, bot ihr Material an, und die Bangles wählten den Song, der sie einem deutlich größeren Publikum bekannt machte.
Die romantischere Version bringt Susanna Hoffs ins Spiel. In dieser Erzählung gab Prince den Song weiter, weil er hoffte, ihre Zuneigung zu gewinnen. Die vorliegenden Quellen bestätigen dieses Motiv nicht; die sicherere Version ist daher weniger filmreif, aber belastbarer: Der Song kam von Prince, die Bangles nahmen ihn auf, und die Geschichte um Hoffs bleibt hier eher ein Gerücht als eine belegte Tatsache.
Im Frühjahr 1986 war „Manic Monday“ zum Durchbruchshit der Bangles geworden und kletterte in den Vereinigten Staaten bis auf Platz zwei.[2] Genius vermerkt außerdem, dass der Song auch im Vereinigten Königreich, in Deutschland und in Österreich Platz zwei erreichte, dazu weitere Top-Five-Platzierungen in anderen Ländern.[1] Ein Lied über den Wunsch, der Sonntag möge noch ein wenig länger dauern, war zu einer internationalen Beschwerde über die Arbeitswoche geworden.
Der Mann, der seinen eigenen Song blockierte
Über ihm in den US-Charts standen Prince and the Revolution mit „Kiss“.[2] So entstand eine hübsche Popchart-Kuriosität: Ein von Prince geschriebener Song, „Christopher“ zugeschrieben und von den Bangles gesungen, blieb auf Platz zwei stehen, weil eine Single von Prince unter seinem eigenen Namen auf Platz eins saß.
Die Verbindung zwischen den beiden Songs lässt den Zufall fast zu ordentlich wirken. „Manic Monday“ handelt von Begehren, das von Pflichten unterbrochen wird: ein Traum, ein Liebhaber, eine Stimme im Schlafzimmer – und dann das sehr praktische Problem, Geld verdienen zu müssen.[1] Die vorliegenden Quellen belegen die Chart-Kollision mit „Kiss“, nicht aber den weitergehenden lyrischen Vergleich, der manchmal zwischen den beiden Aufnahmen gezogen wird.[2]
Prince’ eigene Aufnahme von „Manic Monday“ wurde erst 2019 offiziell veröffentlicht, als sie auf Originals erschien, einer Sammlung von Songs, die er geschrieben hatte und die durch andere Künstler bekannter wurden.[1] Zu diesem Zeitpunkt war die Version der Bangles längst die öffentliche Erinnerung an den Song: das klingende Klagen, die Harmonien, die Bürouhr und die Fantasie, die sich um sechs Uhr morgens auflöst.
Das reicht, um zu erklären, warum sich das Gerücht so hartnäckig hält. Ein Popstar schreibt unter anderem Namen, gibt einer Band, die er bewundert, einen Song und sieht zu, wie er steigt, bis nur noch seine eigene Platte ihn aufhalten kann. Und mittendrin singt Susanna Hoffs immer noch davon, zu spät zur Arbeit zu kommen und den Sonntag festhalten zu wollen.



