Am 9. Dezember 2008 sagte Bernie Madoff seiner Familie, das Geschäft sei am Ende. Zwei Tage später, nachdem seine Söhne die Bundesbehörden informiert hatten, verhafteten Ermittler den früheren Nasdaq-Vorsitzenden, dessen Kunden geglaubt hatten, ihr Geld laufe durch eine ausgeklügelte Wall-Street-Maschinerie.[1][2]
Bernie Madoffs Betrug war gewaltig, doch sein Grundprinzip war schonungslos simpel: Das Geld der Anleger floss auf ein einziges Konto bei Chase Manhattan, und Auszahlungen wurden nicht aus echten Handelsgewinnen bezahlt, sondern aus den Einlagen späterer Investoren.
Madoff wirkte nicht wie ein Außenseiter, der sich heimlich in die Finanzwelt einschleichen wollte. Er hatte 1960 Bernard L. Madoff Investment Securities gegründet, ein legitimes Market-Making-Geschäft aufgebaut und als Vorsitzender der Nasdaq gedient.[2][3] Sein Ansehen an der Wall Street war entscheidend. Es machte seine Versprechen leichter glaubwürdig und Zweifel leichter abtubar.
Den Kunden wurde erklärt, ihr Geld werde mit einer Strategie namens Split-Strike Conversion angelegt — ein Begriff, nüchtern genug für Institutionen und klug genug klingend für wohlhabende Familien.[3] Die Renditen wirkten ungewöhnlich stabil, oft als etwa 10 bis 15 Prozent beschrieben, was den Eindruck verstärkte, die Konten seien gegen gewöhnliche Marktturbulenzen abgeschirmt.[4]
Im Inneren des Beratungsgeschäfts zeigte sich später etwas weit Banaleres. Kundengelder wurden auf ein einziges Konto bei Chase Manhattan eingezahlt. Wenn Anleger Geld abheben wollten, bezahlte Madoff sie mit dem Geld neuerer Investoren. Handelsbestätigungen und Kontoauszüge wiesen Gewinne aus, doch das Beratungsgeschäft erzielte diese Gewinne nicht durch tatsächlichen Wertpapierhandel.[3]
Der Betrug versteckte sich neben Glaubwürdigkeit
Ein Ponzi-System klingt nach seinem Zusammenbruch oft kompliziert, weil die Trümmer kompliziert sind. Die Anleger sind verstreut. Der Papierberg ist enorm. Über die Verluste wird auf unterschiedliche Weise gestritten. In Madoffs Fall verwendeten die Staatsanwälte eine Summe von 64,8 Milliarden Dollar, basierend auf den Beträgen, die zum 30. November 2008 in den Kundenkonten ausgewiesen waren.[2] Andere Zusammenfassungen trennen diese Papiersumme von den direkten Verlusten der Anleger, die häufig auf mehr als 17 oder 18 Milliarden Dollar beziffert werden.[3][4]
Die nüchterne Beschreibung des FBI für ein Ponzi-System passt genau zu dem Mechanismus hinter diesen Zahlen. Ein Betrüger überzeugt Menschen, für hohe Renditen zu investieren, nutzt dann aber neues Geld, um frühere Anleger — und manchmal persönliche Ausgaben — zu bezahlen, statt die Mittel wie versprochen einzusetzen.[1] In Madoffs Büros arbeiteten fast 15 FBI-Spezialagenten sowie Analysten und Partner aus der Strafverfolgung daran, das aufzurollen, was die Behörde als das größte Finanzverbrechen der Geschichte bezeichnete.[1]
Madoffs legitime Vergangenheit gab dem Betrug seine Tarnung. Laut FBI begann er als echter Market Maker, der Käufer mit Aktien zusammenbrachte, bevor er ein Anlageberatungsgeschäft eröffnete.[1] Market Histories beschreibt seine Firma als frühen Anwender des elektronischen Handels, einflussreich genug, dass Regulierungsbehörden ihn zu Fragen der Marktstruktur konsultierten.[3] Das System brauchte keine schäbige Ladenfront. Es saß direkt neben einem Geschäft, das sich bereits Respekt verdient hatte.
Es gab Warnsignale. Der Finanzermittler Harry Markopolos äußerte späteren Berichten zufolge wiederholt Bedenken gegenüber der Securities and Exchange Commission, doch der Betrieb lief weiter, bis die Finanzkrise Anleger in einem Ausmaß zur Rückforderung ihres Geldes veranlasste, das das System nicht mehr auffangen konnte.[4] Vertrauen konnte das Konto in Bewegung halten. Abhebungen legten offen, was die Auszüge verborgen hatten.
Im März 2009 bekannte sich Madoff in 11 Bundesanklagepunkten schuldig. Im Juni wurde er zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt, der Höchststrafe.[2] In der öffentlichen Erinnerung steht der Fall für eine kolossale Dollarzahl. Doch das eigentliche Bild seines Funktionierens ist kleiner und kälter: Einzahlungen kamen herein, Auszahlungen gingen hinaus, und ein einziges Bankkonto trug eine Fiktion — bis kein Geld mehr nachkam.






