„Verdammt! Hier in der Gegend gibt es keinen anständigen Ort zum Essen!“ Diese Beschwerde erreichte Harland Sanders Anfang der 1930er-Jahre in North Corbin, Kentucky, als er an der U.S. Highway 25 eine Tankstelle betrieb und Reisenden Reifenprüfungen, Scheibenreinigungen und sonst nicht viel anbot.[2]
Colonel Sanders verkaufte Kentucky Fried Chicken 1964 für 2 Millionen Dollar, heute etwa 17 Millionen, blieb KFC aber als öffentliches Gesicht im weißen Anzug erhalten. Der Deal wirkte mit den Jahren immer eigenartiger, als die Kette wuchs — besonders nachdem Sanders sich darüber beschwerte, dass das Unternehmen das Hähnchen nicht mehr so zubereite wie früher.
Sanders reagierte auf den hungrigen Reisenden, indem er einen Lagerraum in einen Speiseraum verwandelte. Er legte auf Kredit gekauftes Linoleum aus, stellte den Esstisch der Familie aus den Wohnräumen hinter der Tankstelle hinein, ordnete sechs Stühle darum an und begann, Landschinken, Kartoffelpüree, Biscuits und Brathähnchen zu servieren.[2]
Aus der Mahlzeit am Straßenrand wurde ein Geschäft, weil die Straße voller Menschen war, die genau so etwas brauchten. Lastwagenfahrer, Touristen und Handelsreisende kamen durch den Südosten Kentuckys, und Sanders erinnerte sich später an den Gedanken, der nach jener Beschwerde bei ihm hängenblieb: „Eines konnte ich schon immer: kochen.“[2] Aus diesem kleinen Raum heraus baute er Sanders Court & Cafe auf, entwickelte sein „Geheimrezept“ und nutzte eine Druckfrittiermethode, mit der sich Brathähnchen schneller zubereiten ließ als in der traditionellen Pfanne.[1]
Der „Colonel“ in Colonel Sanders stammte nicht von einem militärischen Kommando. Sanders hatte zwar kurz als einfacher Soldat in der United States Army gedient, doch sein berühmter Titel war die Ehrenauszeichnung als Kentucky Colonel.[1] Zusammen mit dem weißen zweireihigen Anzug, dem Spitzbart, der schwarzen Schleifenband-Krawatte und dem Gehstock machte er aus einem echten Restaurantbetreiber ein Symbol, das Kunden schon von der Straße aus wiedererkennen konnten.[2]
Der Verkauf nach 600 Franchises
1952 eröffnete das erste Kentucky-Fried-Chicken-Franchise in South Salt Lake, Utah.[1] Sanders hatte einen Weg gefunden, mehr als nur Hähnchen durch das Land zu schicken. Das Rezept, die Druckfrittiermethode und das Bild des höflichen alten Colonels konnten von Restaurant zu Restaurant weiterwandern, ohne dass er selbst an jedem Herd stehen musste.
Bis 1964 verkauften mehr als 600 Franchisebetriebe Brathähnchen nach der Mischung des Colonels aus „elf Kräutern und Gewürzen“.[2] In jenem Jahr, als Sanders 75 war, verkaufte er das Unternehmen für 2 Millionen Dollar.[2] Aus dem Geschäft verschwand er damit nicht. Er blieb Markenbotschafter, und sein Name und sein Bild dienten KFC noch lange als öffentliches Gesicht, nachdem er keine Kontrolle mehr über das Unternehmen hatte.[1]
Der Preis wirkte umso kleiner, je weiter die Kette expandierte. Spätere Berichte hielten fest, dass die Investoren, die KFC gekauft hatten, das Unternehmen 1971 für 285 Millionen Dollar an Heublein Inc. weiterverkauften.[3] In einem WFAA-Interview im selben Jahr blickte Sanders auf diesen viel größeren Verkauf zurück und sagte, er fühle sich „außen vor“.[3]
Sein Ärger drehte sich nicht nur um verpasstes Geld. Sanders hing noch immer an dem Essen als etwas, das gemacht, gekostet und beurteilt wurde. Nach dem Verkauf beklagte er, das Unternehmen habe Kosten gesenkt und im Vergleich zum Hähnchen der Anfangszeit ein minderwertiges Produkt geschaffen. Für einen Mann, dessen Vermögen mit sechs Stühlen neben einer Tankstelle begonnen hatte, war die Marke riesig geworden — doch die Mahlzeit selbst war ihm ein Stück weit aus den Händen geglitten.
Der Colonel über der Dachkante
Das Smithsonian’s National Museum of American History besitzt eine Wetterfahne von Kentucky Fried Chicken aus der Mitte des 20. Jahrhunderts, die Sanders zeigt, wie er einen Gehstock mit goldenem Griff hält.[2] Ähnliche Wetterfahnen standen einst auf den Kuppelaufsätzen freistehender KFC-Restaurants — ein volkskundlich anmutender Schmuck über einer Fast-Food-Kette, die sich in alle Richtungen ausbreitete.[2]
Diese Wetterfahne zeigt Sanders in einer passenden Pose. Der Mann, der damit begonnen hatte, Reisende an seinem eigenen Tisch zu verköstigen, endete über der Dachlinie: den Gehstock erhoben, der weiße Anzug unverrückbar, Kunden den Weg zu Hähnchen weisend, das ihm nicht mehr gehörte und das er bisweilen nicht mehr gutheißen wollte.





