Der alte sumerische Sänger legt immer wieder Brauwerkzeuge in die Hände einer Göttin. Ninkasi handhabt Bappir-Brot, Schilfmatten, Süßwürze, einen Gärbottich, einen Auffangbottich und das Bier selbst, das wie Flüsse in Strömen fließt.

Die Hymne an Ninkasi ist ein 4.000 Jahre altes sumerisches Preislied, das auch als Bier-Rezept funktioniert und die Brauschritte durch Anbetung, Erinnerung und die Freude am gemeinsamen Trinken bewahrt.

In der Oxford-Übersetzung verwandelt sich das Gebet immer wieder in Anweisungen. Die Göttin mischt den Bappir mit süßen Aromen, verteilt gekochte Maische auf Schilfmatten, hält die Süßwürze in beiden Händen, stellt den Gärbottich über einen Auffangbottich und gießt gefiltertes Bier.[1]

Das Rezept selbst ist bescheiden und wunderbar physisch. Die World History Encyclopedia identifiziert Bappir als zweimal gebackenes Gerstenbrot und verfolgt das Gedicht durch Honig, Datteln, Kühlmatten, Fermentation, Filterung und Krüge – eine Abfolge, die ein Brauer auch ohne eine moderne Rezeptkarte verstehen könnte.[2]

Ein Artikel der University of Chicago Press aus dem Jahr 1916 zeigt, dass sich Gelehrte seit mehr als einem Jahrhundert mit diesem kleinen Bierlied beschäftigen. J. Dyneley Prince behandelte es als Hymne, doch der Text weigert sich immer wieder, in einer einzigen Kategorie zu bleiben. Er ist Lobpreis, Handwerkserinnerung und Lebensmittelgeschichte in denselben wenigen Dutzend Zeilen.[3]

Als Solomon Katz, Fritz Maytag und Miguel Civil Brewing an Ancient Beer in Archaeology schrieben, trugen sie dazu bei, das Gedicht wieder in Richtung des Topfes zu lenken. Die überlieferten Worte waren zu etwas geworden, das ein Brauer testen konnte, nicht nur zu einer Passage, die ein Spezialist übersetzen konnte.[4]

Die Arbeitsweise bleibt leicht nachvollziehbar, weil das Gedicht immer wieder zur gleichen Choreografie zurückkehrt. Zuerst Wasser. Brot und Süße. Kühlmatten. Ein Bottich über einem anderen balanciert. Ein gefiltertes Getränk, das mit solcher Kraft ankommt, dass der Dichter nach dem Tigris und Euphrat griff.

Ein einfaches Rezept kann verschwinden, wenn ein Koch stirbt, ein Lehrling geht oder eine Tafel zerbricht. Dieses hier fand stabilere Verstecke. Es lebte im Ritual, im Kopieren, im Trinken und im Mund dessen, der die nächste Zeile am Tisch und beim Fest erinnerte. Ein Brauer musste die Erinnerung nicht vom Appetit trennen.

Wenn das Bier den Auffangbottich erreicht, ist Ninkasi zur Brauerin geworden, die jeder sehen kann. Die alte Anweisung überlebt, weil der Sänger die Arbeit nie vom Wunder getrennt hat. Das Bier kommt durch den Filter, und die Methode kommt mit ihm.


Quellen

  1. Electronic Text Corpus of Sumerian Literature, „Eine Hymne an Ninkasi: Übersetzung“
  2. World History Encyclopedia, „Die Hymne an Ninkasi, Göttin des Bieres“
  3. J. Dyneley Prince, „Eine Hymne an Ninkasi“
  4. Solomon H. Katz, Fritz Maytag und Miguel Civil, „Ein altes Bier brauen“