Im Januar 1958 kam Sue Finley zum Jet Propulsion Laboratory in Pasadena und erhielt eine Berufsbezeichnung, die zugleich nach Mensch und Maschine klang: Computer. Ihre Werkzeuge waren keine eleganten Konsolen oder leuchtenden Bildschirme. Sie berechnete Raketenflugbahnen von Hand – genau zu der Zeit, als die Vereinigten Staaten sich darauf vorbereiteten, Explorer 1, ihren ersten Satelliten, in die Umlaufbahn zu bringen.[1][5]

Susan G. „Sue“ Finley arbeitet seit Januar 1958 am Jet Propulsion Laboratory der NASA. Damit ist sie die dienstälteste Mitarbeiterin der Behörde; ihre Arbeit reicht von Explorer 1 über das Deep Space Network bis zu Missionen quer durch das Sonnensystem.

Explorer 1 startete nur wenige Tage nach Finleys Ankunft, nachdem Sputnik die Vereinigten Staaten bereits in Alarmbereitschaft versetzt hatte.[5] JPL war damals noch nicht das vertraute Kürzel für Marsrover und Signale aus dem tiefen Weltraum. Es war ein Ort, an dem Mathematik auf Papier zur Flugbahn einer Rakete werden konnte – und an dem sich eine junge Frau, die einst Kunst und Architektur hatte studieren wollen, mitten im ersten Kapitel des amerikanischen Raumfahrtzeitalters wiederfand.[1]

Finley hatte 1955 am Scripps College begonnen, mit Architektur als Ziel. Biografische Darstellungen beschreiben, dass sie Kunst und Architektur studierte und sich dann jener Arbeit zuwandte, auf die ihre mathematischen Fähigkeiten und ihr Zeichentalent im Grunde schon lange hingedeutet hatten.[1] Mit 21 verließ sie Scripps und wurde menschlicher Computer in einer Thermodynamikgruppe bei Convair in Pomona, Kalifornien.[1]

Von Handrechnungen in den tiefen Weltraum

In den Jahren nach Explorer 1 erlebte Finley, wie ihr erster Beruf verschwand. Menschliche Computer wurden von elektronischen abgelöst, und sie erinnerte sich an die frühen Geräte als klein, physisch und auf seltsame Weise handwerklich. Eines hatte 16 Drähte, sagte sie Voice of America, „Überbrückungskabel zum Programmieren“. Ein anderes verfügte über 10 Stecktafeln, die programmiert werden mussten.[5]

Finley ging mit den Maschinen mit. Sie entwickelte und testete Software und arbeitete später als Subsystemingenieurin für das Deep Space Network der NASA – jenes Kommunikationssystem, das Anlagen in Kalifornien, Spanien und Australien nutzt, um mit Raumsonden in Kontakt zu bleiben.[1][5] Die Erforschung des tiefen Weltraums hängt von dieser stilleren Arbeit ab: Antennen ausrichten, Software testen, Befehle senden und auf schwache Signale von Maschinen lauschen, die weit jenseits der Erde unterwegs sind.

Ihre Arbeit berührte die Erforschung des Mondes, der Sonne, aller Planeten und weiterer Körper im Sonnensystem.[1] Voice of America berichtete, sie habe an nahezu jeder unbemannten US-Raumsonde mitgewirkt, ebenso an einigen Missionen anderer Nationen.[5] Der zusammengestellte Eintrag von DBpedia verbindet ihre Laufbahn mit Programmen und Missionen wie Ranger, Pioneer, Mariner, Viking, Voyager, Mars Pathfinder, der Mars Exploration Rover Mission, Juno, New Horizons, Vega und dem Halleyschen Kometen.[4]

Die Antenne, die funktionieren musste

Während der Vega-Mission, einem sowjetisch-französischen Projekt zur Venus und zum Halleyschen Kometen, leistete die NASA Navigationshilfe.[5] Die Mission setzte Ballons in der Atmosphäre der Venus aus, und Finley musste die Software für die Antenne ändern, die sie verfolgte. „Alles hat funktioniert“, erinnerte sie sich. „Das war das Aufregende daran!“[5]

Das ist ein schlichter Satz für eine Laufbahn an der Seite historischer Maschinen. Finley war bei JPL, als Pioneer 1 startete, der erste Satellit, den die neu gegründete NASA 1958 ins All schickte.[5] Sie erlebte Fehlschläge, Erfolge und das ständige Neusetzen von Zielen. NASA-Teams seien stolz auf ihre Leistungen gewesen, sagte sie, „aber man macht einfach mit dem Nächsten weiter“.[5]

Zu Hause verlief diese lange Karriere nicht geradlinig. Finley verließ JPL in ihren frühen Jahren zweimal: einmal, um die Ausbildung ihres Mannes zu unterstützen, und später für eine Mutterschaftspause nach der Geburt ihrer zwei Söhne. 1969 kehrte sie dauerhaft zurück.[1] Später beschrieb sie, wie schwierig es war, Beruf und Familie zu vereinbaren, als gute Kinderbetreuungsmöglichkeiten begrenzt waren.[1]

Finley wurde mit Ehrungen der NASA ausgezeichnet, darunter der NASA Group Achievement Award; der zusammengestellte Eintrag von DBpedia bringt sie außerdem mit der Exceptional Public Service Medal der NASA in Verbindung.[1][4] Das schlichteste Maß bleibt vielleicht zugleich das erstaunlichste: Eine Frau, die eingestellt wurde, um Raketenbahnen von Hand zu berechnen, blieb im selben Labor bis in eine Ära, in der Raumsonden über ein planetenweites Netz von Antennen nach Hause funken.[5]

Die Berufsbezeichnung änderte sich. Die Maschinen änderten sich. Die Ziele rückten immer weiter hinaus. Irgendwo in dieser Kette – von Flugbahnen mit dem Bleistift über Stecktafeln bis zur Software des Deep Space Network – half Sue Finley der Erde weiter dabei, den Überblick über jene Dinge zu behalten, die sie in die Dunkelheit hinausgeschickt hatte.

Quellen

  1. Susan G. Finley, Wikipedia
  2. Susan Finley, NASA Science
  3. Susan G. Finley, IEEE Xplore author page
  4. About: Susan G. Finley, DBpedia
  5. At 80, Sue Finley Still at Work at NASA, Voice of America