Quentin Roosevelt half einst dabei, das Weiße Haus in eine Jungenfestung zu verwandeln. Er und seine Freunde hielten Versammlungen auf dem Dachboden ab, rannten durch die Flure, legten ohne Erlaubnis einen Baseballplatz im Rasen an und mussten sich vor Theodore Roosevelt höchstpersönlich verantworten, nachdem Papierkügelchen auf dem Porträt von Andrew Jackson gelandet waren.[2]
Quentin Roosevelt I, der jüngste Sohn Theodore Roosevelts, wurde im Ersten Weltkrieg Jagdflieger und kam am 14. Juli 1918 bei einem Luftkampf in Frankreich ums Leben. Er gilt als das einzige Kind eines US-Präsidenten, das im Kampfeinsatz getötet wurde.
Die Jungen nannten sich die White House Gang, und Quentin stand im Mittelpunkt. Archie Roosevelt, Charlie Taft, Earle Looker, Richard Chew und andere Jungen aus Washington nutzten den Amtssitz des Präsidenten für Streifzüge, Spiele und geheime Beratungen, während der Präsident den Titel eines Ehrenmitglieds annahm.[2]
Bei einem Spiel auf dem Dachboden jagte Theodore Roosevelt den Jungen knurrend hinterher. Earle Looker schaltete das Licht aus, und der Präsident rammte seinen Kopf gegen einen Holzbalken. Als das Licht wieder anging, sah Roosevelt, dass er beinahe einen hervorstehenden Nagel getroffen hätte. Seine Regel danach war pragmatisch: Niemals das Licht ausschalten, wenn jemand in der Nähe eines Pfostens steht.[2]
Die Bande erkundete das Gebäude vom Dachboden bis zum Keller und inszenierte berühmte Schlachten mit echten Schwertern und Revolvern oder mit Wasserpistolen, je nach Tag.[2] Andere Berichte schildern, wie die Roosevelt-Kinder auf Rollschuhen durch die Flure des Weißen Hauses fuhren, auf Küchentabletts die Hintertreppen hinunterrodelten und nahegelegene Regierungsbüros zu Zielen von Scheinangriffen machten.[4]
Vom Dachboden des Weißen Hauses nach Frankreich
Quentin wurde am 19. November 1897 in Washington, D.C., als jüngstes Kind von Theodore und Edith Roosevelt geboren.[1] Als William McKinley 1901 ermordet wurde, wurde Theodore Roosevelt Präsident, und Quentin zog als kleines Kind mit einer berühmt lauten Familie ins Weiße Haus ein.[5]
Als in Europa der Krieg ausbrach, studierte Quentin in Harvard. Er hatte sich in Flora Payne Whitney verliebt, eine Enkelin von Cornelius Vanderbilt, und schrieb ungeduldig darüber, dass die Vereinigten Staaten nur zusahen, während England und Frankreich kämpften.[5] Der öffentliche Glaube seines Vaters an Pflicht wurde für den jüngsten Roosevelt-Sohn zu einer ganz persönlichen Bewährungsprobe.
Quentin trat 1917 in den United States Army Air Service ein und diente als Second Lieutenant in der 95th Aero Squadron.[1] In Frankreich wurde er Jagdflieger und schoss ein deutsches Flugzeug ab.[1] Einer seiner letzten Briefe nach Hause beschrieb die düstere Erregung des Krieges, nachdem seine Staffel einen Mann verloren hatte; drei Tage nachdem Theodore und Edith Roosevelt den Brief gelesen hatten, war Quentin tot.[5]
Am 14. Juli 1918, dem französischen Nationalfeiertag, wurde Quentin Roosevelt bei einem Luftkampf nahe Chamery, in der Nähe von Coulonges-en-Tardenois in Frankreich, getötet. Er war 20 Jahre alt.[1] Die nüchterne Tatsache wiegt schwer: Der Sohn eines Präsidenten, aufgewachsen in den öffentlichsten Räumen Amerikas, starb als junger Offizier am Himmel über Frankreich.
Der Präsidentensohn, der nicht nach Hause zurückkehrte
Quentin erhielt das Croix de Guerre mit Palme, das Purple Heart und die Victory Medal.[1] Seine sterblichen Überreste ruhen heute auf dem Normandy American Cemetery and Memorial in Colleville-sur-Mer, auf Gelände, das von den Vereinigten Staaten verwaltet wird.[1]
Der Eintrag, der mit seinem Namen verbunden ist, ist einzigartig. Quentin Roosevelt ist das einzige Kind eines US-Präsidenten, das im Kampfeinsatz getötet wurde.[1] Hinter dieser Zeile steht der Junge, der einst den Dachboden des Weißen Hauses mit Mitverschwörern füllte, dann in Frankreich in das Cockpit eines Flugzeugs stieg und nicht mehr vom Himmel zurückkehrte.






