Jahrelang hörte Schweden Geräusche, die wie feindliche U-Boote klangen, die durch seine Gewässer glitten. Die Marine nahm die Signale wahr, fürchtete sowjetische Eindringlinge und setzte echte Zeit und echtes Geld darauf an, ihnen nachzujagen. Dann hörten Wissenschaftler genauer hin und fanden etwas fast Komisches: Die "U-Boote" waren Heringsschwärme, die Blasen freisetzten.[1][2][4]
Das Geräusch war kein bloßes diffuses Unterwasserrauschen. Die schwedischen Forscher Magnus Wahlberg und Håkan Westerberg untersuchten die Gasfreisetzung bei Heringen und fanden heraus, dass die Fische einen markanten Laut erzeugten, den sie als "pulsed chirp" bezeichneten, eine schnelle Serie von Pulsen, die entstand, wenn Luft aus dem Schwimmblasensystem durch die Analöffnung ausgestoßen wurde.[4] Ein anderes Team, das pazifische und atlantische Heringe untersuchte, zeichnete verwandte Geräusche auf, die es Fast Repetitive Ticks, kurz FRTs, nannte. Das sind breitbandige Pulsfolgen, die oft nach Einbruch der Dunkelheit auftreten und mehrere Sekunden dauern können.[3]
Der wirklich seltsame Teil ist, dass es sich wahrscheinlich nicht um Verdauung in dem Sinn handelte, den man sich sofort vorstellt. Wie The Guardian in seiner Zusammenfassung der Forschung schrieb, deutete die Gaschromatographie darauf hin, dass die Blasen aus Luft bestanden, die die Fische an der Oberfläche geschluckt hatten, nicht aus klassischer Darmgasbildung.[1] Heringe nutzen diese Luft, um ihre Schwimmblase zu regulieren, und können sie über einen mit Darm und Analöffnung verbundenen Gang wieder ablassen.[3][4] Ja, "Heringsfürze" ist die Schlagzeilenversion, aber die eigentliche Biologie ist merkwürdiger und eleganter.
Wenn man das weiß, wirkt die Kalte-Krieg-Panik wie ein perfekter Sturm aus Kontext und Akustik. Schweden hatte nach sowjetischen U-Boot-Zwischenfällen in der Ostsee echte Gründe zur Nervosität, also trafen unerklärliche Unterwassergeräusche auf einen ohnehin angespannten politischen Moment.[2] Was die Marine brauchte, war nicht mehr Verdacht. Sie brauchte einen Biologen mit einem Hydrophon. Mitte der 1990er Jahre zeigten Forscher, dass die Blasengeräusche der Heringe den rätselhaften Signalen so stark ähnelten, dass sie Jahre der U-Boot-Angst entkräften konnten.[1][2][4]
Und es gibt noch eine weitere Wendung. Wilson und seine Mitautoren fanden heraus, dass Heringe nachts mehr dieser Geräusche produzierten und dass die Lautstärke mit der Größe des Schwarms zunahm. Das deutet auf eine soziale Funktion hin, vielleicht darauf, dass verstreute Fische im Dunkeln den Kontakt zum Schwarm halten.[3] Ein Geräusch, das einst als militärische Bedrohung galt, könnte in Wahrheit die Fischversion von "Ich bin noch hier, bleib in der Nähe" gewesen sein.
Genau das macht die Geschichte so einprägsam. Sie ist lustig, aber sie erinnert auch daran, dass Angst und schlechte Messungen gewöhnliche Dinge bedrohlich wirken lassen können. Manchmal ist das Monster auf dem Sonar wirklich ein U-Boot. Manchmal ist es das Abendessen, das im Dunkeln kleine Blasen macht.[1][2][3][4]






