Vor den nagelneuen Toren in Anaheim erkannte jemand in einem Zaun eine Geschäftsidee. Disneyland sollte am 17. Juli 1955 eigentlich nur für geladene Gäste öffnen. Stattdessen verbreiteten sich gefälschte Eintrittskarten, die Eingänge verstopften, und ein findiger Mann soll eine Leiter aufgestellt und 5 Dollar pro Person verlangt haben, um darüberzuklettern.[1]

Am Eröffnungstag von Disneyland wurden etwa 15.000 geladene Gäste erwartet, doch 28.154 Menschen gelangten in den Park – viele mit gefälschten Tickets. Der Andrang trug zu einem sieben Meilen langen Stau auf dem Santa Ana Freeway bei und machte Walt Disneys große Enthüllung zu dem Tag, an den sich manche Mitarbeiter später als „Black Sunday“ erinnerten.

Fast die Hälfte der Vereinigten Staaten verfolgte im Schwarz-Weiß-Fernsehen, wie der Park landesweit sein Debüt gab.[1] Auf dem Bildschirm präsentierte die Übertragung Walt Disneys neue Welt als sorgfältig inszeniertes Stück amerikanischen Optimismus. In Anaheim war ein 160 Acre großer Orangenhain nach einem hektischen Baujahr gerade in einen 17-Millionen-Dollar-Themenpark verwandelt worden.[1]

Als Disney begann, seine Idee zu verkaufen, klang sie keineswegs wie ein sicherer Erfolg. In den 1950er-Jahren haftete Vergnügungsparks noch der Geruch von Jahrmarktsbuden an. Skeptiker hörten „Disneyland“ und stellten sich einen weiteren schmutzigen Rummelplatz vor, nicht eine neue Art von Ort für Familien.[2] Banker zweifelten, und Roy Disney, Walts Bruder und Finanzchef des Studios, fürchtete, das Projekt könne in den Ruin führen.[1]

Für Walt war die Wette persönlich geworden. Er belieh seine Lebensversicherung und verkaufte ein Feriengrundstück, um den Park mitzufinanzieren.[1] Hollywood hatte für dieses Wagnis eine spitze kleine Formulierung parat: „Walt’s folly“ – Walts Torheit.[1] Die Beleidigung verfing, weil der Plan zwischen allen Kategorien lag. Er war kein Film, kein Spielplatz, kein Volksfest, nicht ganz ein Vergnügungspark in dem Sinne, wie die Menschen den Begriff kannten.

Das ältere Bild dahinter war stiller. Disney erzählte später von Samstagsausflügen mit seinen Töchtern zum Karussell im Griffith Park, wo er auf einer Bank saß, Erdnüsse aß und ihnen beim Fahren zusah. Dabei begann er darüber nachzudenken, dass es einen Ort geben sollte, an dem Eltern und Kinder gemeinsam Spaß haben konnten.[5] Frühe Pläne für einen kleineren Mickey Mouse Park in der Nähe des Disney-Studios in Burbank enthielten bereits ein Schloss, eine Eisenbahn, Postkutschen, Skull Rock aus „Peter Pan“ und eine Monstro-Attraktion aus „Pinocchio“ – Ideen, die später ihren Weg nach Disneyland fanden.[5]

Am Eröffnungstag musste diese Familienfantasie durch Drehkreuze passen. Die Gästeliste sollte die Menge überschaubar halten. Gefälschte Tickets sprengten das System. Statt der erwarteten 15.000 geladenen Gäste betraten 28.154 Menschen den Park.[1] Andere umgingen die Tore vollständig und nutzten den bezahlten Leiterweg über den Zaun.[1]

Der Verkehr draußen erzählte dieselbe Geschichte in weniger zauberhafter Sprache. Auf dem Santa Ana Freeway stauten sich die Autos über sieben Meilen.[1] Drinnen lief Disneys nationale Fernsehfeier, während die Mitarbeiter mit einem Park zurechtkommen mussten, der gerade erst rechtzeitig fertig geworden war – und mit einer Menschenmenge, die weit größer war als geplant.[1]

Die gefälschten Eintrittskarten waren mehr als nur eine Panne am Eröffnungstag. Sie zeigten, dass die Nachfrage bereits die sauberen Grenzen überschritten hatte, die Disney um seine Enthüllung ziehen wollte. Bevor Disneyland zu einer Institution wurde, war es ein Ort, in den Menschen bereit waren, sich hineinzuschummeln.

Der Traum begann mit einem Vater auf einer Bank, der Erdnüsse aß, während sich ein Karussell drehte. Am Eröffnungstag erschien er in unordentlicherer Gestalt: als Ticket in der Hand eines Besuchers, als Leiter an einem Zaun und als Autoschlange, die sich kilometerweit in Richtung Anaheim zog.

Quellen

  1. HISTORY, “Disneyland’s Glitch-Filled Opening Day”
  2. Walt’s Folly, “About”
  3. SFGATE, “The California city that rejected Disneyland”