In manchen deutschen Badezimmern wartet die Warnung über der Toilette: eine Strichfigur, die im Stehen uriniert, ein roter Kreis um sie herum, ein Strich durch die Handlung. Hebt man den Sitz an der falschen Stelle, kann ein kleines Gerät namens WC‑Geist, oder Toilettengeist, einem sogar sagen, man solle sich hinsetzen.[3]

Deutsche Männer werden oft dazu ermutigt, im Sitzen zu pinkeln, besonders zu Hause und in Gemeinschaftsbädern, weil das Stehen Urin auf den Rand, den Boden, die Wände und nahe Oberflächen spritzen kann. Die Gewohnheit heißt Sitzpinkeln, und der Mann, der das tut, ist ein Sitzpinkler.

Mitbewohner, Café‑Besitzer und Mütter haben schon Erinnerungen über den Toiletten angebracht, die Männern sagen, dass Stehen verboten sei, oder zumindest stark missbilligt werde.[1] Für Besucher, besonders Männer aus Ländern, in denen das Stehen automatisch ist, kann die Botschaft wie ein seltsames kleines Referendum zur Männlichkeit wirken.

Das deutsche Wort trägt mehr als nur eine Sanitär‑Ratschlag. Sitzpinkeln bedeutet, beim Pinkeln zu sitzen, und Sitzpinkler bezeichnet einen Mann, der das tut.[3] Der Begriff kann auch als Beleidigung verwendet werden und ein unmaskulines Verhalten andeuten, etwa im Bereich von „Schlappschwanz“. [3] Eine Badezimmerroutine wird so irgendwie zu einer Charakterbeurteilung.

Andrew Bulkeley, aus Berlin schreibend, beschreibt die Reaktion von Expats mit komischer Verzweiflung. Ausländische Männer sehen einen durchgestrichenen stehenden Urinator und fühlen sich beschuldigt. Er gibt zu, dass er, als er jünger in Deutschland war, diese Schilder manchmal zu stillen Akten des Aufbegehrens veranlassten. Er stellte sich trotzdem hin, schaute dann nach unten und sah, worvor das Schild gewarnt hatte: Spritzer am Rand der Toilette, am Deckel und manchmal am Boden.[1]

Der Spritzer ist das Wesentliche

Ein deutscher Lifestyle‑Blog für Neuankömmlinge stellt den Fall unverblümt dar: Wenn ein Mann im Stehen pinkelt, können kleine Tröpfchen um die Toilette, an die Wand oder auf den Boden spritzen. Wenn niemand sie reinigt, können sie zu Flecken und Gerüchen ansammeln.[2]

Deshalb ist die Gewohnheit besonders in Häusern und Wohngemeinschaften verbreitet, wo die Person, die das Chaos verursacht, nicht unbedingt diejenige ist, die später das Bad reinigt.[2] Die Etikette dreht sich weniger um Anatomie als um Hauswirtschaft. Im Sitzen verkürzt man den Abstand und erspart allen die forensische Frage, wessen unsichtbare Tröpfchen an den Fußleisten trocknen.

Bulkeley fügt der Geschichte ein besonders deutsches Porzellanstück hinzu: die Plattformtoilette. In manchen deutschen Haushalten gibt es noch Toiletten mit einem trockenen Sitz, statt der tieferen Wasserschüssel, die anderswo üblich ist.[1] Seine Theorie ist einfach. Ein Strom, der auf eine flache trockene Oberfläche trifft, sprüht zurück und nach außen, so wie Wasser, das auf eine ebene Fläche gegossen wird, in mehr als eine Richtung schießt.[1] In diesem Bad kann eine stolze Haltung eine sehr wenig stolze Reinigung nach sich ziehen.

Ein Gerichtsfall für das Stehen

Nicht jeder deutsche Mann akzeptiert die Sitzregel. Im Jahr 2015 entschied ein Gericht in Düsseldorf zugunsten des Rechts eines Mannes, im Stehen zu urinieren, nachdem sein Vermieter Schadensersatz wegen Urinbeschädigung eines Marmorbodens im Bad gefordert hatte.[3] Der Fall klingt wie eine Farce, doch er brachte gewöhnliche Haushaltsvorstellungen in einen Rechtsstreit: Kautionszahlungen, Steinböden, Reinigungsstandards und die alte Behauptung, dass Männer stehen.

Es gibt auch einen gesundheitlichen Hinweis. Der Guardian berichtet, dass das Sitzen die Blase schneller und vollständiger entleeren kann, ein Punkt, der häufig in Diskussionen darüber, ob Männer sitzen sollten, um zu urinieren, angesprochen wird.[3] Dennoch ist das alltägliche deutsche Argument meist weniger klinisch. Es ist der Toilettenrand. Der Boden. Die Person mit dem Wischmopp.

Also ist das berühmte „dunkle Geheimnis“ nicht sehr dunkel, sobald jemand im Bad steht und nach unten schaut. Ein Mann kommt, bereit, eine alte Freiheit zu verteidigen, sieht das Schild, ignoriert es, hört den Strom auf Porzellan treffen und greift dann nach Toilettenpapier, um die Spuren vom Boden zu entfernen.[1]

Quellen

  1. Drew Portnoy, „Sitzpinkeln: Deutschlands dunkles Geheimnis“
  2. My Life in Germany, „Sitzpinkler: Sitzen deutsche Männer zum Urinieren?“
  3. The Guardian, „Der Splashback‑Skandal: Sollten alle Männer sitzen, um zu urinieren?“