Am Amsterdamer Flughafen Schiphol sitzt die kleine Überraschung knapp über dem Abfluss des Urinals, leicht nach links versetzt: eine Fliege, in das Porzellan geätzt, genau dort, wo eine echte Fliege eine ausgesprochen schlechte Entscheidung getroffen hätte.[1] Schaut man genauer hin, verrät sich der Trick von selbst. Jedes Urinal hat eine. Jede Fliege wartet an derselben Stelle.

Die Schiphol-Fliege ist ein winziges eingraviertes Ziel in den Männerurinalen des Amsterdamer Flughafens Schiphol, das die Treffsicherheit verbessern soll. Die Verantwortlichen schrieben ihr zu, Spritzer zu verringern und die Reinigungskosten der Toiletten zu senken — ein kleines Stück Badezimmerpsychologie, das weit über einen einzigen Flughafen hinaus bekannt wurde.

Die Fliege tauchte Anfang der 1990er-Jahre in Schiphol auf, mitten in einem langen, wenig glamourösen Kampf gegen Spritzwasser.[1] In einer Flughafentoilette ist schlechtes Zielen kein privates Ärgernis. Es vervielfacht sich durch Tausende Reisende und landet dann bei den Reinigungskräften: als Geruch, Bodenmatten, Wischmopps, Arbeitszeit und Kosten.

Urinaldesigner hatten es längst mit Technik versucht. Es gab Siebe, die Flüssigkeit hinein-, aber nicht wieder hinausspritzen lassen sollten, Gummimatten, geriffelte Oberflächen und Beckenformen, die den Strahl dorthin zurücklenken sollten, wo er hingehört.[1] Schiphols Lösung war kleiner als all das. Sie veränderte nicht die Sanitärtechnik. Sie gab Männern einfach etwas, worauf sie zielen konnten.

Aad Kieboom, der damals an Terminalerweiterungen und Renovierungen in Schiphol beteiligt war, wird häufig mit der Einführung der Fliege in Verbindung gebracht. Kieboom sagte, die Idee sei von Jos van Bedaf gekommen, dem Leiter der Reinigungsabteilung des Flughafens.[1] Van Bedaf hatte während seiner Armeezeit in den 1960er-Jahren Zielmarkierungen in Urinalen gesehen und sich an das praktische Ergebnis erinnert: Wenn es eine Markierung gab, zielten Männer darauf.[1]

Das Insekt selbst spielte eine Rolle, aber nicht, weil eine Fliege das einzig mögliche Ziel gewesen wäre. Klaus Reichardt, der Erfinder des wasserlosen Urinals, sagte gegenüber Works That Work, Männer zielten auf fast alles, was im Becken platziert werde — etwa eine Golffahne, eine Biene oder einen kleinen Baum.[1] Schiphol entschied sich für eine Fliege: klein, schmutzig, lästig und nicht besonders furchteinflößend. Eine Spinne könnte den Nutzer erschrecken. Ein Logo könnte wie Vandalismus wirken. Eine Fliege im Urinal dagegen gibt gewissermaßen die Erlaubnis.

Die gemeldeten Zahlen machten die kleine Gravur berühmt. Spätere Berichte geben an, Kieboom habe nach der Einführung der Fliegen von einer Verringerung der Spritzer um 80 Prozent berichtet, dazu von einer geschätzten Senkung der gesamten Toilettenreinigungskosten um 8 Prozent.[4] Auch Simple Flying berichtet von Schiphols Schätzung, dass das Fliegenbild in den Urinalen die Reinigungskosten um 8 Prozent gesenkt habe.[2] Der Reiz lag nicht nur in den Einsparungen. Es gab kein Schild zu lesen, keine Ermahnung zu befolgen, keine Regel über dem Waschbecken.

Andere Orte kopierten die Grundidee. Zielmarkierungen in Urinalen sind in Flughäfen, Stadien und Schulen aufgetaucht — mal als Fliegen, mal als Bienen, Marienkäfer, Zielscheiben oder andere Markierungen.[3] Die Schiphol-Fliege hat außerdem ältere Verwandte. Im Großbritannien des späten 19. Jahrhunderts erschienen Bilder von Bienen in Toiletten und Urinalen, teils als Zielmarken und teils als Wortspiel mit Apis, der Gattung der Honigbienen.[3] 1976 patentierte ein Zahnarzt aus New Jersey einen Zielscheiben-Aufkleber namens Tinkle Target, der auf dasselbe alte Problem abzielte.[3]

Schiphols Version hielt sich, weil sie fast schon beschämend bescheiden ist. Ein Reisender tritt heran, sieht das kleine Insekt über dem Abfluss und tut, was die Reinigungsabteilung gehofft hatte. Später, wenn die Flüge geboardet sind und sich die Toilette geleert hat, muss ein bisschen weniger vom Boden gewischt werden.

Quellen

  1. Works That Work, “Aiming To Reduce Cleaning Costs”
  2. Simple Flying, “How Amsterdam Schipol Reduced Toilet Cleaning Costs By 8% With Fake Urinal Bugs”
  3. Wikipedia, “Urinal target”
  4. Aeroflap, “Schiphol Airport reduces fly urinal spillage by 80%”