Mike McPheters beschrieb einmal ein Leben wie gemacht für den Klatsch in Washington: Er arbeitete als FBI-Agent und ging anschließend nach Hause, um seiner Gemeinde als mormonischer Bischof zu dienen. Dieses Amt, schrieb er, sei ihm von einem anderen FBI-Agenten übertragen worden.[1]

Das FBI, die CIA und andere US-Sicherheitsbehörden stehen seit Langem in dem Ruf, überdurchschnittlich viele Heilige der Letzten Tage einzustellen – unter anderem, weil viele Bewerber Missionserfahrung mit Fremdsprachen, geordnete Lebensläufe und Lebensweisen mitbringen, die als leichter überprüfbar gelten.

In Kreisen von Geheimdiensten und Strafverfolgungsbehörden war dieses Muster auffällig genug, um einen Spitznamen zu bekommen: die „Mormon Mafia“. Der Ausdruck deutet weniger auf eine Verschwörung hin als auf eine erkennbare Häufung bestimmter Lebensläufe, Kirchenkontakte, Auslandsmissionen und sauberer Hintergrundprüfungen in Behörden, die Berechenbarkeit besonders schätzen.[1]

Für viele Amerikaner ist genau diese Vertrautheit das Überraschende. In einer Umfrage des Pew Research Center aus dem Jahr 2012 unter mehr als 1.000 US-Mormonen sagten 62 Prozent, die Amerikaner insgesamt seien über den Mormonismus schlecht informiert.[2] Fast die Hälfte, 46 Prozent, gab an, Mormonen seien in den Vereinigten Staaten starker Diskriminierung ausgesetzt, und 68 Prozent sagten, Amerikaner sähen den Mormonismus nicht als Teil der amerikanischen Mehrheitsgesellschaft.[2]

An einem Schreibtisch für Bundesbewerbungen kann eine Vergangenheit als Missionar jedoch weniger exotisch als vielmehr nützlich wirken. Viele Heilige der Letzten Tage leisten Missionen, leben dabei oft fern von zu Hause und lernen eine andere Sprache. Für Behörden, die Menschen brauchen, die über Grenzen hinweg arbeiten, kulturelle Signale deuten und eine Sicherheitsüberprüfung bestehen können, kann diese Erfahrung mehr sein als nur ein biografisches Detail.[1]

Auch das Überprüfungsverfahren belohnt eine bestimmte Art gewöhnlichen Lebens. Ermittler suchen nach Schulden, Drogenkonsum, instabilen Arbeitsverhältnissen, riskanten Kontakten und ausländischen Verflechtungen, die einen Bewerber erpressbar machen oder die Prüfung erschweren könnten. Der Bericht von Atlas Obscura beschreibt Heilige der Letzten Tage unter anderem deshalb als attraktive Kandidaten, weil ihnen oft ein risikoarmer Lebensstil zugeschrieben wird – was manche Sicherheitsfreigaben günstiger und einfacher machen kann.[1]

Das bedeutet nicht, dass jeder mormonische Bewerber automatisch eine sichere Wahl ist oder jeder nichtmormonische Bewerber ein schwieriger Fall. Es heißt, dass Personalverantwortliche aufmerksam werden können, wenn verbreitete Lebensmuster zu bürokratischen Anforderungen passen. Pew stellte fest, dass religiöse Praxis für viele US-Mormonen zentral ist: Mehr als zwei Drittel sagten, Religion sei ihnen sehr wichtig, sie beteten täglich und besuchten wöchentlich den Gottesdienst.[3]

Dieselbe Umfrage erfasste auch die Spannung, die mit dieser Sichtbarkeit einhergeht. Mormonen machen etwas weniger als 2 Prozent der US-Bevölkerung aus – eine kleine Minderheit, deren Mitglieder sich oft missverstanden fühlen, deren Gewohnheiten für einige der sicherheitsbewusstesten Arbeitgeber des Landes jedoch ungewöhnlich gut lesbar erscheinen können.[2] In der Popkultur taucht diese Spannung immer wieder auf, von McPheters’ Memoiren Agent Bishop bis zu einer Nebenhandlung der Serie Quantico aus dem Jahr 2015 über einen mormonischen Rekruten mit makellosem öffentlichen Image.[1]

Das klarste Bild ist also keine geheime Pipeline von der Kapelle ins Hauptquartier. Es ist eine engere und merkwürdigere Passung: Missionen, die Sprachkenntnisse hervorbringen, Gemeinschaften, die lange Papierspuren hinterlassen, und persönliche Gewohnheiten, die eine Hintergrundakte leichter lesbar machen können. In McPheters’ Fall war das Bild fast zu ordentlich: in der einen Tasche die FBI-Marke, in der anderen die Schlüssel eines Bischofs.

Quellen

  1. Atlas Obscura, “Why Mormons Make Great FBI Recruits”
  2. Pew Research Center, “Mormons in America, Certain in Their Beliefs, Uncertain of Their Place in Society”
  3. The Journalist’s Resource, “Mormons in America: Certain in their beliefs, uncertain of their place in society”